Samstag, 15. November 2008

Teil 4

Als Eliza am nächsten Morgen das Haus verließ, um sich auf den Weg zur Schule zu machen, war es draußen noch nicht wirklich hell. Sie ging den Weg durch den Vorgarten des Hauses zur Straße um dort nach rechts abzubiegen. Der Weg war ihr so vertraut, dass sie auf ihn nicht mehr achten musste und morgens um viertel nach sieben fuhren noch nicht einmal Autos durch die Straße. Alles war noch verschlafen in dieser Gegend. Eliza war das nur recht. So musste sie mit niemanden sprechen und auf niemanden achten und konnte ihren Gedanken freien Lauf lassen. Dabei war sie auch dafür an diesem Morgen eigentlich zu müde. Am Abend vorher hatte sie erst mit Finchen telefoniert. Die hatte ihr ganz schön viel erzählt, über Alex und auch über Felix und über die Septembertage. Eigentlich wollte Eliza das alles nicht hören. Irgendwie war es für sie klar, dass Finchen wieder mehr darin sah, dass Alex ihr im besoffenen Zustand die Sterne vom Himmel geholt hatte und jetzt nichts mehr davon wusste. Sie war mit Finchen eigentlich immer total gut befreundet gewesen, aber irgendwann fing diese an am Wochenende immer auf Partys zu sein. Und das ein Kerl ihr den Hof gemacht hat, weil er angetrunken war, war auch schon öfters vorgekommen. Nur wenn die Jungen nüchtern waren, waren sie meistens nicht so intensiv an Finchen interessiert. Dabei war sie eigentlich ganz hübsch und nett, so fand Eliza. Und dann seufzte sie, weil ihr wieder einfiel, dass es meistens so war, dass die Mädchen die anderen Mädchen für hübsch und nett halten, aber die Jungen nicht der gleichen Ansicht waren. Aber besonders die Jungen, mit denen Finchen sich einließ, waren von der Sorte, die so seltsame Ansprüche an Frauen hatten, dass es Eliza nicht wunderte, dass Alkohol von Nöten war, um diesen Ansprüchen gerecht zu werden.

Das Problem an die jetzigen Geschichte war jedoch, dass Finchen und Alex auch außerhalb von Partys und auch ohne Alkohol was miteinander zu tun hatten. Von manchen wurde Alex als einer der attraktivsten Jungen der Schule angesehen. Eliza vermied es immer, sich an solchen Gesprächen zu beteiligen. Meistens hatte sie andere Ansichten, wenn es darum ging, welcher Junge gut aussah und welcher nicht. Außerdem waren für sie die Jungen in der Schule eh alle nicht so die attraktivsten. Auf jedenfall war Eliza doch irgendwie gespannt, was aus Finchen und Alex werden würde, wobei sie sich eigentlich nicht vorstellen konnte, dass überhaupt irgendetwas daraus werden könnte. Das würde bedeuten, dass in ein paar Wochen oder vielleicht sogar schon Tagen Finchen völlig aufgelöst bei ihr anrufen würde und die ganze Männerwelt verfluchen.

Eliza war an einer Kreuzung angekommen und blieb vor der roten Fußgängerampel stehen. Auch wenn der Verkehr noch nicht sonderlich stark war, hatte sie keine Lust darauf zu achten, wann sie denn auch unabhängig von den Lichtzeichen die Straße überqueren könnte. Sie sah zu dem rot leuchtenden Männchen und wartete auf Grün.

Irgendwie, so dachte Eliza, war sie froh, dass sie diesen ganzen Beziehungskram in der Schule nicht hatte. Als sie in der achten Klasse war, hatte sie sich unsterblich in Timon verknallt gehabt. Der war damals echt so cool gewesen und Eliza musste spontan lächeln, als sie daran zurück dachte. Doch natürlich war das ganze nichts geworden, weil Timon sich in ein anderes Mädchen aus der Parallelklasse verliebt hatte. Das war der erste schlimme Liebeskummer gewesen und Eliza hatte sich die Augen aus dem Kopf geweint. Das Mädchen hatte jedoch auch kein Interesse an Timon und zog kurz darauf aus der Stadt weg, sodass auch Timon seinen ersten Liebeskummer gehabt hatte.

Die Ampel sprang für Eliza auf Grün und sie überquerte die Straße. Heute könnte sie sich überhaupt nicht mehr vorstellen, was für Timon zu empfinden. Sie mochte ihn zwar immer noch, aber er war so ein seltsamer Kerl, andauernd irgendwelche Flausen im Kopf und selten ernsthaft. Ganz anders als sein bester Freund Jakob. Der war manchmal so ernst und nachdenklich, dass es Eliza fast Angst machte. Aber meistens war das nur in der Schule. Als sie gestern Abend mit ihm telefoniert hatte, da hatte er auch viel gelacht und sie hatten sich ausgedacht, wie sie sich wohl am besten aufs Abitur vorbereiten könnten ohne zu lernen. Das hatten sie beide in dem Moment für sehr lustig gefunden, vermutlich weil sie beide viel zu gewissenhaft waren, um diesen Plan jemals in die Tat um zu setzten. Timon, so faul wie er war, wäre sicherlich begeistert gewesen.

Sie hatten lange telefoniert. Eigentlich zu lange, denn Eliza war unheimlich müde an diesem Morgen und sie wusste noch nicht so recht, wie sich gleich auf die Englische Lektüre konzentrieren sollte.

Es war erstaunlich, sie hatte am Montag bei Jakob angerufen, weil sie irgendwie so viel zu erzählen hatte. Eigentlich hatte sie Kristin anrufen wollen, weil sie mit ihr über alles reden konnte, aber die war Montags Abends immer zum Babysitten bei ihrer Tante. Und deswegen hatte Eliza kurzerhand bei Jakob angerufen. Dabei hatten sie eigentlich in den letzten Wochen gar nicht so viel miteinander zu tun gehabt. Zwar standen sie in der Pause immer zusammen, meistens mit Timon und Kristin, aber das bedeutete nicht zwingend, dass sie ihre Freizeit teilten. Auf jeden Fall hatte sie bei ihm angerufen und hatte das Gefühl, dass er, obwohl er anfangs etwas verwirrt war, sich letztendlich doch darüber gefreut hatte. Mit ihm konnte Eliza auch über alles reden, fast so wie mit Kristin, nur dass er halt ein Junge war. Das heißt, dass er nicht zu allem etwas sagte, aber trotzdem zuhörte. Außerdem hatte er auch einfach einen anderen Humor und eine andere Art und Weise als Kristin, die Eliza irgendwie an ihm schätzte. Jakob war wirklich ein interessanter Mensch. Manchmal total verschlossen und manchmal total offen. Meistens grundsätzlich etwas distanzierter, aber wenn er mal aufgetaut war, war er unheimlich nett. Eliza lächelte schon wieder, während sich der Haltestelle der Straßenbahn näherte, nur diesmal völlig unbewusst. Gestern hatte es länger gedauert, bis Jakob mehr von sich erzählt hatte und fröhlicher war. Aber am Ende hatten sie beide irgendwie fast kein Ende gefunden. In der Schule würde alles wieder distanzierter laufen. Zwar würden sie miteinander sprechen und manchmal kabbelten sie sich auch ein wenig, aber so offen und fröhlich wie beim telefonieren war ihr Verhältnis da nie. Eliza blieb an der Haltestelle stehen wo auch Kristin schon warte. Egal, dachte sie noch abschließend, solang wir manchmal telefonieren können, ist das ja nicht schlimm. Und dann umarmte sie Kristin zur Begrüßung und sie standen beide in der Morgendämmerung und warteten auf die Straßenbahn. „Haste du gestern eigentlich noch mit Finchen telefoniert?“, fragte Kristin. Die Straßenbahn fuhr heran. Eliza nickte. „Bestimmt hat sie sich in Alex verknallt, oder?“ Eliza grinste. „Was denn sonst.“ Und die beiden stiegen in die Straßenbahn und fuhren zur Schule.

Samstag, 8. November 2008

Teil 3

Die Turmglocke der katholischen Kirche hatten soeben sieben mal geläutet, als Jakob und Timon aus der Turnhalle traten und von der kühlen Abendluft empfangen wurden. Timon schüttelte sich, denn er hatte seine Trainigshose an und über das T-Shirt nur seine dunkelblauen Kapuzenpullover übergezogen. Jakob hingegen hatte sich komplett umgezogen und stand deswegen in Jeans und seinem schwarzen Kurzmantel auf der obersten Stufe vor dem Eingang der Turnhalle. Nur sein Gesicht, die vom Sport roten und erhitzten Wangen, verrieten, dass er sich soeben eineinhalb Stunden verausgabt hatte. Ebenso stand es Timon ins Gesicht geschrieben, dass ihr Trainer sie heute wieder ziemlich gescheucht hatte.

Hinter ihnen öffnete sich erneut die doppelte Glastür und vier weiter Jungen kamen hinaus in die Kälte. Einer von ihnen blieb bei Jakob und Timon stehen. „Was geht bei euch Freitag?“, fragte er, während er eine Zigarette aus der Schachtel zog, die er zuvor aus der Innentasche seiner Jacke entnommen hatte. „Wieso?“, fragte Jakob zurück, der selten einfach Antworten gab ohne sich vorher zu vergewissern, dass sie angebracht war. Der Junge klopfte grad nervös seine Jackentaschen ab. „Hat einer von euch Feuer?“ Beide schüttelten den Kopf. „Verdammt.“, fluchte der Fragende, nahm die Zigarette wieder in die Hand und rollte sie zwischen Handfläche und Daumen hin und her. „Ja wir wollten mit n' paar Leuten ins INTRO, vorher natürlich saufen bei Memet.“ Timon hüpfte von einem Fuß auf den anderen. „Mhm.“, machte Jakob. „Vielleicht.“ - „Ich hätte Zeit.“, meinte Timon. „Ok, schreibt mich einfach nochmal an.“, sagte der Junge und drehte sich dann um, hob vorher kurz die Hand, um einen Gruß anzudeuten und joggte dann über den Parkplatz, der vor der Sporthalle war, zu seinem Moped.

Boa, Alter!“, entfuhr es Timon, als sie wieder allein waren. „Wann kommt denn dein oller Bruder endlich?“ „Kein Plan, eigentlich müsste der schon da sein.“ Timon zog sich die Kapuze über den Kopf. „Haste Mathe schon gemacht?“, fragte er. „So gut wie. Hatte das fast alles schon in der Stunde. Den Rest mach ich morgen in der Pause.“ Augenblicklich hörte Timon auf, auf der Stelle zu hüpfen und sah seinen Freund neugierig an. „Ich dachte, du hasst es den Schulkram erst kurz vorher zu machen? Haste noch was vor heut Abend?“ Jakob, der seine Hände wieder in seinen Manteltaschen vergrub, sah angestrengt in die Dämmerung. „Najaa..“ „Aha?!“ Zwei Scheinwerfer leuchteten aus der Richtung in die Jakob immer noch schaute. „Da kommt Fabian.“ Der dunkle Wagen hielt genau vor der Treppe, auf der die beiden Jungen warteten. Timon klopfte Jakob mit der Hand auf die Schulter. „Glaub ja nicht, dass du damit um die Antwort rumkommst.“ Er grinste Jakob an und der seufzte, weil er wusste, was ihn erwartete, wenn er weiter schweigen würde. „Eliza wollte heute Abend noch anrufen.“ Timon sprang mit einem Satz die vier Treppenstufen herunter. „Achso.“, meinte er, als er direkt vor dem Auto landete. „Das ist ja nichts Neues bei euch.“ Und er öffnete die hintere Tür und stieg auf den Rücksitz. Jakob ging die Stufen normal herunter und stieg ein auf den Beifahrersitz.

Während sein drei Jahre älterer Bruder Fabian sie mit dem Auto zu Timons Elternhaus fuhr und sich dabei angeregt mit Timon über die neusten Fußballergebnisse diskutierte, sag Jakob aus dem Fenster und wiederholte im Kopf den Kommentar von seinem besten Freund:Das ist doch nichts Neues bei euch. Eigentlich hatte er Recht. Er und Eliza hatten immer schon mal miteinander telefoniert, manchmal regelmäßig und dann auch mal wieder Wochen lang nicht. Am letzten Montag Abend hatte sie sehr spontan angerufen, weil ihr langweilig war, wie sie gesagt hatte. Dann hatten sie drei Stunden lang telefoniert. Das war schon heftig gewesen. Sie hatten sich irgendwie über alles unterhalten, vor allem hatte sie unheimlich viel erzählt. Aber es hatte ihm diesmal noch weniger gestört als sonst. Er hörte ihr irgendwie gern zu. Und deswegen schoss ihm die Frage durch den Kopf: „War es wirklich nichts Neues?“

Der Wagen hielt. „Bis morgen.“, verabschiedete sich Timon und stieg aus. Fabian fuhr wieder los. „Alles klar bei dir?“, fragte er seinen jüngeren Bruder. „Mhm. Kein Plan. Einfach alle halt.“, antworte Jakob kurz abgebunden. Fabian versuchte gar nicht erst weiter zu fragen. Er kannte seinen Bruder gut genug um zu wissen, dass er eh nur auf Granit stoßen würde.

Deshalb drehte er das Radio an und fuhr die beiden nach Hause. Jakob nahm sich vor, dass keiner etwas von seinen Gedanken erahnen sollte und versuchte an alles andere zu denken, nur nicht an das bevorstehende Telefonat.


Samstag, 25. Oktober 2008

Teil 2

Als Fiona die Tür aufdrückte, die aus weißem Milchglas hergestellt war, erklang ein Glöckchen, dass an der Tür angebracht war. Ihr strömte warme Luft entgegen und als sie eintrat hörte sie aktuelle Chartmusik im Hintergrund und das klirren von Gläsern. „Hi Finchen!“ Die junge Frau, die vor ihr stand, hatte ein Tablett in der Hand auf dem zwei leere Tassen standen. „Hi Maike!“, grüßte Fiona zurück und zog ihren dunkelblauen Mantel aus und hängte ihn an eine Garderobe, die hinter der Tür angebracht war. Fiona sah sofort, dass sie vor den anderen da war, denn es hingen nur noch zwei andere Jacken neben ihrer, die sie keinen ihrer Freunden zuordnen konnte. Sie drehte sich wieder in den Raum und zupfte dabei ihr Oberteil zurecht. Das KARO machte seinem Namen alle Ehre: Der Boden war mit schwarzen und weißen Fliesen ausgelegt, so wie ein Schachbrett, die Wände waren dunkel-orange gestrichen und vereinzelt waren Karos in gelb und rot in verschiedenen Größen darüber gepinselt. Im vorderen Teil des KAROs standen Tische aus dunklem Holz mit Ratternstühlen. Weiter hinten war auf der linken Seite, parallel zur Wand, die Theke, die ebenfalls dunkel gehalten war. Vor ihr standen ein paar wenige Barhocker. Wenn man an der Theke weiter nach hinten durch ging, kam man in den Bereich, wo niedrige Tische um die Sessel aus Leder standen, auch ein paar Sofas gab es. Fiona ging nach hinten durch. Die Frau, die Fiona mit Maike angesprochen hatte, stand nun hinter der Theke und spülte die Tassen. Ihr gehörte das Café, welches in einer Nebenstraße der Haupteinkaufstraße in der Innenstadt lag. Deshalb war das Café nie wirklich brechend voll. Doch seit die Oberstufenschüler das Café für sich entdeckt hatten, gab es immerhin regelmäßig Besuch. „Bringst du mir einen Cappuccino?“, fragte Fiona im vorbeigehen. „Natürlich, sofort.“ Das Mädchen war nun zu einer Sitzgruppe gegangen, die aus mehreren Sesseln bestand und einem Sofa für ungefähr vier Personen und lies sich auf letzterem nieder. An den Wänden hingen gerahmte Schwarzweißfotographien und das Licht war warm, unterstützt von den warmen Wandfarben. Mit dem Tablett kam Maike zu Fiona und stellte die Tasse vor ihr auf den niedringen Tisch, auf dem eine kleine karierte Tischdecke lag und zwei Teelichter standen. Maike fingerte ein Feuerzeug aus ihrer Hosentaschen und zündete die Kerzen an. „Du bist heut ganz schön früh dran!“, lächelte Maike Fiona an. „Ja, irgendwie gab es heute nicht viel zu tun. Aber die anderen kommen bestimmt auch gleich.“ In diesem Moment klingelte das Glöckchen an der Tür. Beide sahen zur Tür und Maike meinte „Entschuldige mich.“ und ging zu den Gästen die eingetreten waren. Fiona nahm die Tasse und trank einen Schluck des heißen Cappuccino. Der tat ihr gut, denn die frühe Herbstkälte machte auch ihr zu schaffen. Dann stellte sie die Tasse wieder ab und holte ihr Handy aus ihrer Hosentasche. Sie hatte keine neue Kurzmitteilung erhalten und das gab ihr einen kleinen Stich in der Magengrube und sie steckte das Handy wieder weg und nahm sich fest vor, erst wieder drauf zu schauen, wenn sie das KARO verlassen würde.

Wieder erklang das Glöckchen und schon von weitem hörte sie, dass sie nun endlich Gesellschaft bekommen würde. Sie hörte die tiefe Stimme von Alexander, wie er redete, wie immer und das lachen einer anderen männlichen Person. Das musste Felix sein. Die beiden wurden, wie alle Gäste, fröhlich von Maike begrüßt und schon standen die beiden vor der Sitzgruppe, wo Fiona saß. Sie stand auf und begrüßte die beiden Jungen mit einer Umarmung. Wobei es eigentlich keine richtige Umarmung war, eher nur eine Andeutung. Schließlich machte der Umstand, dass es ein Junge und ein Mädchen waren, schon einiges aus. Die Jungen umarmten sich untereinander eigentlich nicht, nur wenn sie beste Freunde waren, wie zum Beispiel Jakob und Timon. Die Mädchen umarmten sich natürlich und auch richtig. Aber wenn ein Junge und ein Mädchen sich richtig umarmten, hatte es eventuell etwas zu bedeuten, auf jeden Fall war es als Grundlage von Gerüchten ausgezeichnet, weshalb viel Wert darauf gelegt wurde, es zu vermeiden. Besonders Fiona achtete darauf, wenn sie Alexander umarmte. Schließlich gab es schon genügend Gerüchte über sie, wegen der Septembertage, einem kleinem Stadtfest, welches jährlich stattfand und sich durch ein paar Buden und Karussellen und einer Geisterbahn und natürlich viel Alkohol auszeichnete, und auch wenn jetzt nur Felix dabei war, wollte Fiona keine Ausnahme machen. Die beiden Jungs hatten sich Fiona gegenüber in zwei Sesseln niedergelassen. „Weißte, und dann kam dieser Idiot noch zu mir und meinte: 'Wofür braucht ihr das?' und ich so: 'Damit ich nicht fürn Kellerdienst eingeteilt werde.' er so: 'Der ist aber Pflicht.' Und ich so: 'Deswegen will ich mich ja auch befrein lassen.' er so: 'Das geht nicht.' Hallo? Ich hatte den Zettel zum abmelden in der Hand! Wo drauf steht, dass man sich befreien lassen kann.“ Felix schüttelte den Kopf. „Ach diese Kellerscheiße is doch eh fürn Arsch.“ In dem Moment kam Maike zu ihnen. „Was kann ich denn den jungen Herren heute bringen?“ „Ne Cola.“, meinte Alexander. „Und du Felix?“ „Öhm.. N Kaffe wäre gut.“ „Kommt sofort.“ Und schon war sie wieder weg. „Weißte, ich würd den Kellerdienst sogar machen, aber ich bin da halt schon für diese andere Sache eingeteilt. Soll ich mich jetzt etwa klonen lassen?“ Felix lachte auf und Fiona kicherte. „Was ist das denn für ein Kellerdienst?“, fragte sie nach. „Ach, die wollen da unten irgenwas hinmachen, deswegen müssen die alten Bücher in den Dachboden geschleppt werden und die Regale abgebaut werden. Der Freesen hat sich dafür gemeldet und unseren Informatikkurs vorgeschlagen. 'Weil da doch so viele Jungs drin sind.' Herzlichen Glückwunsch, dass du n Mädel bist.“, meinte Felix mit einer genervten Stimme. „Genau.“,stimmte Alexander zu. „Naja und ich hab da halt diese Infoveranstaltung nächste Woche, für die Siebtklässler. Da hat mich die Cristel schon gefragt gehabt. Und es gibt ja diesen Wisch, mit dem man sich von ner Pflichtveranstaltung abmelden kann, wenn man schon wo anders mitarbeitet. Und da hab ich halt den Freesen gefragt, wo ich den Zettel abgeben muss. Und dann kam das.“ Maike stellte ein Glas Cola und eine Tasse Kaffee vor die Jungen. „Kommen heute noch mehr?“, fragte sie. „Keine Ahnung, heute ist ja Mittwoch.. Kann sein das Eliza noch kommt.“ Die Bedienung nickte und lächelte und ging wieder zur Theke. Fiona nahm wieder ihre Tasse auf und nippte an ihr und behielt sie in der Hand, weil die Tasse so schön warm war. Sie betrachtete Alexander, der sich weiter mit Felix über die Bürokratie der Schule aufregte und über Freese, den Informatiklehrer, der selten Verständnis zeigte für die Angelegenheiten der Schüler. Alexander war auch ein ziemlich großer Typ, ungefähr so groß wie Jakob, aber er hatte ein etwas breiteres Kreuz. Seine hell braunen Haare waren relativ kurz geschnitten, dafür das längere Haare bei den Jungen eigentlich gerade in waren. Und Alexander legte darauf meistens wert in der Mode zu sein. Er hatte blaue Augen und sein ganzes Erscheinungsbild war im Ganzen angenehm. Jedoch mochte Fiona am meisten seine tiefe Stimme, mit der er immer so viel erzählte, weil er eigentlich immer gleich aussprach, was er dachte. Letzteres machte ihn immer wieder unbeliebt und auch Fiona hatte schon Momente gehabt, wo sie sich gewünscht hatte, dass er einfach mal die Klappe hält. Aber meistens schätzte sie es sehr, dass er so ehrlich war. Und sie mochte überhaupt auch seine Art einfach das zu tun und zu lassen, worauf er gerade Lust hatte. Deswegen war es wahrscheinlich auch zu dieser Situation auf den Septembertagen gekommen, wo sie in seinen Armen gelegen hatte und sie zusammen den Rest um sich vergessen haben. Und als irgendwer angekommen war und sich über sie lustig gemacht hatte, hatte er das einfach ignoriert. Vermutlich hätte Fiona es gar nicht so weit kommen lassen, in seinen Armen zu liegen, aber der Alkohol hatte seinen Zweck schon erfüllt gehabt und für mehr Lockerheit gesorgt. Das wirklich ärgerliche an der Geschichte war, dass er wesentlich mehr Alkohol intus gehabt hatte und sich deswegen kaum an diesen Vorfall erinnern konnte. Sie hingegen hatte zwar auch was getrunken, um die Hemmungen zu verringern, jedoch wusste sie noch genau, was er ihr alles erzählt hatte und wie sie in seinen Armen gelegen hatte und wie er nach einer Mischung aus seinem Männerparfüm und Alkohol gerochen hatte... „Finchen?“, sie hörte seine Stimme und wurde aus ihrer Träumerei gerissen. Sie wurde etwas rot. „Du träumst zu viel!“, sagte er lachend und Felix stimmte in das Lachen mit ein. Felix trank seinen Kaffee und Alexander hatte seine Cola schon ausgetrunken. In Fionas Hosentasche vibrierte ihr Handy. Eine SMS. Sie las:„Hey Finchen.Sorry kann heut nicht kommen.Müssen uns trotzdem bald mal treffen.Hab dich lieb,Eliza.“ Alexander schaute sie auffordernd an. „Eliza kommt nicht.“, sagte sie. „Achso. Naja, egal.“, meinte er. Felix trank seinen Kaffee aus und stellte die Tasse auf den Tisch. „Habt ihr Lust ne Runde zu zocken?“, fragte er und holte aus seinem Rucksack ein Kartenspiel raus. „Gerne.“ Fiona war erleichtert nun endlich was zu tun zu haben. Sie durfte auf keinen Fall noch einmal in so eine Träumerei verfallen. Vorallem nicht wenn Alex dabei war. Wie peinlich ihr das war... „Ich bestell mir noch ne Cola. Wollt ihr auch noch was?“, fragte Alexander während er aufstand um zur Theke zu gehen. „Bestell mir auch eine mit.“ Felix mischte die Karten. „Und du?“ Fiona sah in seine blauen Augen. „Nee, las mal.“ Sie nahm noch einen Schluck aus ihrer Tasse und Alexander ging zur Theke um bei Maike Nachschub zu bestellen. Felix fing an die Karten zu verteilen.

Teil 1

„Rufst du mich später nochmal kurz an?“ Sie standen vor dem alten Schulgebäude. Jakob, an den die Frage gestellt war, war ein großgewachsener Typ, dem seine braunen Haare teilweise ins Gesicht fielen, weshalb er immerzu damit beschäftigt war sie mit der Hand zur Seite zu streichen oder durch eine schwungvolle Kopfbewegung aus der Sicht zu schaffen. Er holte gerade seinen Mp3-Player aus seiner Umhängetasche als er sagte: „Ja kann ich machen, aber erst heute Abend nach dem Trainig.“ Das angesprochene Mädchen nickte: „Ist ok.“ Jakob steckte sich die Stöpsel in die Ohre. „Dann bis später!“ Und er zog den Reißverschluss seiner Jacke bis nach oben hin zu, denn der Herbstwind fegte über den leeren Schulhof, vergrub die Hände in den Hosentaschen und ging mit großen Schritten über den Schulhof, Richtung Turmstraße um dort mit der Straßenbahn nach Hause zu fahren.

Das Mädchen, dass Eliza hieß, blieb zurück und tänzelte von einem Fuß auf den anderen. Als sie am Morgen aus dem Haus gegangen war, hatte sie nicht damit gerechnet, dass es Ende September schon so kühl sein könnte, wenn die Sonne nicht durch die Wolken brach. Sie schaute auf ihre Armbanduhr. Eigentlich müsste in wenigen Sekunden der Schulgong ertönen und alle Schüler aus der siebten Stunde erlösen. Eliza war, im Gegensatz zu Jakob, relativ klein und ihre Haare waren blond und an diesem Tag nach hinten zum Zopf gebunden, damit sie sie nicht störten. Sie kramte aus ihrer Tasche ihr Handy heraus und sah, dass sie eine SMS bekommen hatte: „Hi Elizi!Kommste heute mit ins KARO?Alex und so kommen auch.Meld dich!Finchen.“ Eliza seufzte. Es war Mittwoch, und sie hatte gerade sieben Stunden Schule überstanden. Mit Fiona, die alle eigentlich nur Finchen nannten, wollte sie sich auch unbedingt mal wieder treffen. Aber ins KARO? Das war ein kleines Café, dass seit einem Jahr gern von den Oberstufenschülern des Gymnasiums genutzt wurde um die Nachmittage gemeinsam zu verbringen. Natürlich gingen nicht alle ins KARO. Und Eliza war auch nicht allzu oft da. Auf der einen Seite, weil sie Nachmittags meistens mit anderen Dingen beschäftigt war und zum anderen weil man im KARO auch immer mal auf Leute traf, bei denen sie froh war, wenn sie die außerhalb der Schule nicht treffen musste.

Es gongte. Nach der siebten Stunden verließen eine ganze Menge an Schülern das Gebäude, welches eine Vorkriegsbau und mit roten Backsteinen verklinkert war. Eliza stand direkt vor dem Haupteingang, vor dem sich der große Schulhof aus Beton erstreckte. Die Schüler kamen träubchenweise heraus, gingen über den Schulhof und trennten sich Dort in Richtung Turmstraße oder in Richtung Innenstadt. Die meisten jedoch liefen in Richtung Turmstraße, ebenso wie Jakob, weil dort die Straßenbahnen hielten, die in die Stadtteile fuhren, die etwas außerhalb lagen.

Eliza erblickte die Leute, auf die sie wartete: Kristin und Timon. Die beiden kamen auch direkt auf Eliza zu. „Na, alles überlebt?“ Timon rollte mit den Augen: „Dass die uns Chemie in die siebte Stunde gelegt haben bei diesem Schnarchsack.. ich könnte mich jedes Mal aufregen!“ Eliza grinste. „Ach, du pennst doch eh die ganze Zeit“, neckte ihn Kristin und Timon streckte ihr sie Zuge raus. „Ja, weil jeder pennt.“, verteidigte er sich. Kristin wendete sich an Eliza: „Ist Jakob schon weg?“ Eliza nickte während sie sich auf den Weg machten: „Ja, der hat die Bahn um viertel nach genommen. Frau Cristel hat uns früher gehen lassen.“ - „Wie immer.“, motzte Timon. „Die Welt ist ungerecht und schlecht.“, tröstete ihn Kristin. „Du sagst es.. Naja, ich wünsch euch n schönen Tag noch. Bis morgen!“ Denn sie waren an der Straße angekommen und Timon wohnte nur zwei Straßen von der Schule entfernt und ging zu Fuß. „Finchen hat gefragt ob ich heut ins KARO komme, kommt ihr?“, fragte Eliza. „Nee du. Heut Abend ist ja Trainig und der Schnarchsack hat uns ne ganze Menge Chemiescheiße aufgebrummt..“ „Als ob du das machen würdest..“,warf Kristin ein. „Ey, wir schreiben bald Klausur. Ich hab keinen Nerv, dass das so wird wie letztes mal.“ „Ok, dann lern mal schön. Wir sehen uns morgen.“, meinte Eliza. „Jo. Bis dann.“ Und Timon drehte sich um und ging in die andere Richtung als die beiden Mädchen.

Kristin grinste vor sich hin, als sie zur Straßenbahnhaltestelle gingen. „Timon kriegt echt Schiss, seit ihm klar ist, das wir bald Abi machen.“ „Ist doch gut. Stell dir mal vor, dem wäre das alles so egal, wie manch anderem aus unserer Stufe.“ Die Straßenbahn bog grad um die Ecke und hielt und die Mädchen stiegen ein und setzten sich nebeneinander. Kristin war ein kleines Stück größer als Eliza und hatte sich ihre Haare dunkel gefärbt, wodurch ihre blauen Augen noch mehr zur Geltung kamen. „Würdest du denn mit ins KARO kommen?“, griff Eliza ihre Frage nochmal auf. Kristin zuckte mit den Schultern und schaute aus dem Fenster. „Und selbst?“, fragte sie zurück. „Keine Ahnung. Hab heute eigentlich noch nichts vor, aber Finchen hat geschrieben, dass Alex und so auch kommen. Und naja.. Auf Alex hab ich heute glaub ich nicht so viel Lust. Oder besser gesagt, hab ich keine Lust auf Finchen und Alex in Kombination.“ Kristin sah ihre Freundin fragend an. „Haste nicht gehört, dass er sich bei den Septembertagen irgendwie an sie rangemacht haben soll im angetrunkenen Zustand?“ Kristin verdrehte die Augen. „Ach komm.. Bei den Septembertagen macht sich doch eh jeder an jeden ran, wenn ich dich an letztes Jahr erinnern darf.“ Und sie stieß Eliza kichernd in die Seite. „Themawechsel.“, sagte Eliza nur und konnte es nicht vermeiden, dass sie ein wenig rot wurde. „Naja, ich überleg mir noch ob ich heute hingeh'. Wenn ihr alle nicht da seit, ist es eh nicht so prall.“ - „Was ist mit Jakob?“ - „Keine Ahnung, hab die SMS erst gelesen als er schon weg war.“ - „Mh.“ Die Straßenbahn hielt und die beiden Freundinnen stiegen aus. Hier trennten sich auch ihre Wege. „Ich kann dich heute Abend ja noch anrufen.“, meinte Kristin, als sie Eliza zur Verabschiedung umarmte. Eliza räusperte sich. „Ähm, ja, falls ich nicht doch im KARO sein sollte. Aber sonst im ICQ, ja?“ Kristin nickte. „Dann bis dann.“ Eliza drehte sich um und ging die Straße entlang und bog die nächste mögliche rechts ein, in eine kleine Straße, während Kristin die Straße überqueerte und noch ein bisschen weiter laufen musste um nach Hause zu kommen, als Eliza.

Personenübersicht

Jugendliche
  • Eliza
  • Jakob
  • Kristin
  • Timon
  • Alexander (Alex)
  • Fiona (Finchen)
Lehrer
  • Frau Cristel (Mathematik)
  • Herr Olsen (Chemie)
  • Herr Freesen (Informatik)
KARO
  • Maike (Inhaberin/Bedienung)
Andere Erwachsene
  • Fabian (Jakobs älterer Bruder)
Hinweis: Alle Charaktere sind in ihrem Erscheinungsbild und ihren Eigenschaften frei erfunden. Jegliche Ähnlichkeiten zu realexestierenden Personen sind nicht beabsichtigt.